Meine Depression wurde ja offenkundig, als ich mir Ende 2004 eine kurze Auszeit bis Anfang 2005 nehmen wollte. Zur Erinnerung: Ich hasste meinen Job als Vertriebler im Außendienst. Es war vor den Feiertagen eh immer schwierig, Termine bei den Kunden zu vereinbaren. Also nahm ich es ihnen vorweg und hatte selbst auch keine Lust.
Pause. Sabbat. Faulsein.
Dass ich Anfang des neuen Jahres wieder aktiv werden musste, war mir theoretisch klar. Praktisch war es Anfang 2005 nicht möglich. Es ging nichts mehr. Akku quasi tief-entladen.
Hier soll der Rückblick enden. Denn der aufmerksame Leser weiß es schon. Aber dieses Muster hat sich so ein bisschen eingefressen. Alljährlich, Mitte Dezember quält mich eine gewisse Melancholie und Antriebslosigkeit, so dass ich mir zwei bis drei Sorgen mache. Geht es wieder los? Und wenn ich nebenbei dazu noch viel um die Ohren habe, mute ich mir wieder zu viel zu, und die deprimierte oder depressive Stimmung klebt an mir wie Sch**ße am Schuh. In diesem Jahr war es so. Wer meinen letzten Artikel gelesen hat, weiß, dass ein hammerhartes Jahr mit zwei kurz aufeinander folgenden Todesfällen in der Familie hinter uns liegt. Davon war noch nicht viel verarbeitet, und einiges ist auch noch buchstäblich unbearbeitet. Z.B. Erbschaftsangelegenheiten.
Mein Jahreswechsel-Tief war in diesem Jahr sehr schlimm, so dass sogar meine Frau mit mir an ihr Limit kam. Nun sind wir am Ende Februar angelangt, und dass ich noch immer mit dem entsprechenden Gefühl im Kopf und Bauch darüber schreibe, zeigt lebhaft die Dramatik.
Ich weiß, dass ich die Depressionen nie los werde. Dass ich bestenfalls lernen kann, mit ihr zu leben. Aber auch das muss ich bewusst tun: Achtsam mit mir und meinen Ressourcen umgehen.
Das Wörtchen „Nein“ einmal mehr aus der Schublade ziehen und offen aussprechen.